Archive For: Unkateg - kunst & wach

Wer geht mit wem?

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr54 Smartphone

Nr54 Smart­phone

(stu) Von zwei Schüs­sen getrof­fen konn­te sich der Frem­de im unweg­sa­men Gelän­de des Gebir­ges vor sei­nen Ver­fol­gern nur sehr knapp hin­ter einem der tau­send Fel­sen ver­stecken — nur um nach weni­gen Tagen des Ver­har­rens an sei­nen Wun­den zu ster­ben. Als er, der wahr­schein­lich ein Agent aus dem Süden war, end­lich gefun­den wur­de, war sei­ne Lei­che ein trau­ri­ger Anblick und die zustän­di­gen Behör­den und ihr Wis­sen­schafts­dienst sich­te­ten die Reste sei­ner Klei­dung und die weni­gen Uten­si­li­en, die er in einer Art Män­ner­ta­sche mit sich führ­te. Nein, ein Smart­phone war nicht dabei, aber der vor rund 7000 Jah­ren im Brennerge­biet kläg­lich Ver­bli­che­ne, als Ötzi bekann­te, hat­te eine Schnur mit etli­chen in unre­gel­mäs­si­gen Abstän­den ein­ge­ar­bei­te­ten Kno­ten bei sich — ein Itin­erar also, dem die wesent­li­chen Weg­strecken der unter­nom­me­nen Rei­se abzu­lei­ten und mit dem Win­kel und Gestir­ne anzu­pei­len waren […]

 

Serra und Zeitmaschine: Ein Schlüsselfall

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr53 Freiheit - Sicherheit

Nr53 Frei­heit — Sicherheit

(stu) Dort wo im Sur­sel­va die Rus­sein von Nor­den zu Tale fällt um dann in der Soh­le brav in den noch jun­gen Vor­der­rhein ein­zu­flies­sen als wär nichts gesche­hen, wird bis­wei­len mit Erfolg nach aus­ge­wa­sche­nem Gold gesucht. Die Gold­su­cher schwen­ken in gedul­di­gem Ritu­al ihre Sie­be zwi­schen eini­gen Stei­nen, die stel­len­wei­se wie zufäl­lig geschich­tet erschei­nen — ein Phä­no­men, das ja in die­ser wil­den Gegend durch­aus bekannt ist. Was soll­te im übri­gen, fragt sich viel­leicht der Gold­jä­ger in einer Ver­schnauf­pau­se den Schweiss von der Stir­ne wischend, eine Mau­er quer über den an die­ser Stel­le in der Regel als Bach, wenn nicht Bäch­lein, ziel­los dahin­plau­dern­dern Vor­der­rhein […]

 

Ich bin dann mal weg

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr51 Närrische Öffnung

Nr51 När­ri­sche Öffnung

(stu) Auf dem Geviert des dem Kunst­wer­ker Mara eige­nen weis­sen Sockels wie zufäl­lig leicht schräg und um weni­ges geschif­tet aus­ge­legt ein ein­fa­ches KREUZ, ein Kru­zi­fix ohne den Gekreu­zig­ten. Und eben­so zufäl­lig eini­ge Bluts­trop­fen, die sich bei nähe­rem Hin­se­hen als völ­lig undra­ma­ti­sche dafür aber wit­zig ein­ge­setz­te Pri­se KONFETTI erweist. Das Kreuz, abso­lu­tes Sym­bol der Chri­sten­heit, des Heils­ge­sche­hen und des Ver­spre­chens eines jeden Tod über­win­den­den ewi­gen Lebens als Fast­nachts­scherz und Kar­ne­vals­re­qui­sit? Ist Mara ein kunst­wer­kend zu Wer­ke gehen­der Got­tes­lä­ste­rer, der, trotz sei­ner sacht iro­ni­schen und grosso modo unta­de­li­gen Gestal­tung, erkennt­lich das ver­un­glimpft, was vie­len Hei­lig ist […]

 

Der Vater des Gedankens ist sein Sohn

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr48 Schweine vor die Perlen geworfen

Nr48 Schwei­ne vor die Per­len geworfen

(stu) Wo immer Schwei­ne sich mani­fes­tie­ren, sind die sprich­wört­li­chen Per­len, jene Per­len, die, wie es scheint welt­weit und zu Hauf in ste­ti­gem Akkord vor die Schwei­ne gewor­fen wer­den, nicht weit […]

 

Cochonnerie

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr42 Senkrechte Schweine

Nr42 Senk­rech­te Schweine

(stu) Der Psych­ia­ter führt einen Ror­schach­test durch. Der Pro­band asso­zi­iert bei jedem der unter­schied­li­chen Klecks­bil­der das Glei­che, näm­lich eine wil­de Sex­or­gie. Der Psych­ia­ter, eini­ger­ma­ßen ver­dutzt, fragt den Pro­ban­den, was denn mit ihm los sei. Der Pro­band, nun eben­falls ver­dutzt und leicht empört zum Psych­ia­ter: “Aber sie haben mir doch alle die­se Schwei­ne­reien gezeigt”!

Die Kunst liegt im Auge der Betrach­ter, stellt man mit Recht fest. Die Schwei­ne­rei offen­sicht­lich auch – und in vor­ge­ge­be­nen Fall des neus­ten Wer­kes des Kunst­wer­kers, den SENK­RECH­TEN SCHWEI­NEN, gilt dies in dop­pel­ter Wei­se, ist doch die­ses Werk ein sol­ches der Kunst und zugleich eine Schwei­ne­rei oder, im Ton etwas ele­gan­ter und weni­ger kru­de, eine COCHON­NE­RIE, die zudem inso­fern das Poten­tial zur hin­ter­sin­ni­gen Pikan­te­rie in sich trägt, als der Urhe­ber ja auch Psych­ia­ter ist. Ein Werk also, das – genau­so wie der ein­gangs zitier­te Witz – grund­sätz­lich und sozu­sa­gen zum Vor­aus Wahr­heit in sich trägt, die uns hier unbe­dingt als Pro­fi­laxe gegen die all­ge­meine Faul­heit des Den­kens und dito Humor­lo­sig­keit ärzt­lich ver­schrie­ben wird. […]