Nr51 Närrische Öffnung

Buche geölt, eine Prise Kon­fetti rot, 45x32x9cm (LxBxH), © mara 2015
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Inspiration

2009 gab es im Kan­ton Zürich erst­mals mehr Kon­fes­si­ons­lose als Refor­mierte oder Katho­li­ken. Die gros­sen Lan­des­kir­chen müs­sen sich öff­nen – die Gug­gen freut’s.

Das Werk

<Nr51 När­ri­sche Öff­nung> Soziale Ver­än­de­run­gen wer­den nicht als los­ge­löste, unab­hän­gige Ein­zel­er­schei­nun­gen inter­pre­tiert, son­dern als von ihrem jewei­li­gen Rah­men abhän­gige Zeit­er­schei­nung, eben als Rah­men­hand­lung. Hier das Kreuz mit den Kir­chen­aus­trit­ten. Kunst­sprech: CREDO-ART.
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Klassifikation

<Nr51 När­ri­sche Öff­nung> ist ein Werk aus dem Werk­raum Rah­men­hand­lung

Bekanntgabe

Feb 2015 → zum Bei­trag När­ri­sche Öff­nung
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Ich bin dann mal weg

Kommentar zum Werk Nr51

Nr51_Närrische Öffnung_001

Nr51 När­ri­sche Öff­nung

(stu) Auf dem Geviert des dem Kunst­wer­ker Mara eige­nen weis­sen Sockels wie zufäl­lig leicht schräg und um weni­ges geschif­tet aus­ge­legt ein ein­fa­ches KREUZ, ein Kru­zi­fix ohne den Gekreu­zig­ten. Und ebenso zufäl­lig einige Bluts­trop­fen, die sich bei nähe­rem Hin­se­hen als völ­lig undra­ma­ti­sche dafür aber wit­zig ein­ge­setzte Prise KON­FETTI erweist. Das Kreuz, abso­lu­tes Sym­bol der Chris­ten­heit, des Heils­ge­sche­hen und des Ver­spre­chens eines jeden Tod über­win­den­den ewi­gen Lebens als Fast­nachts­scherz und Kar­ne­vals­re­qui­sit? Ist Mara ein kunst­wer­kend zu Werke gehen­der Got­tes­läs­te­rer, der, trotz sei­ner sacht iro­ni­schen und grosso modo unta­de­li­gen Gestal­tung, erkennt­lich das ver­un­glimpft, was vie­len Hei­lig ist?

Was ver­bin­det der uns als spitz­fin­di­ger Quer­den­ker bekannte Mara mit dem fri­vo­len KON­FETTI und dem LEE­REN KREUZ? Kla­mauk anstatt Eucha­ris­tie? Hipp Hopp für die Seele statt kon­tem­pla­ti­ver Spi­ri­tua­li­tät? Statt erfühl­ba­rer Mys­ti­fi­ka­tion des ewi­gen Geheim­nis­ses und der Sakra­mente, die publi­kums­wirk­same Seg­nung der Gay-Part­ner­schaft? Statt eigent­li­cher geist­li­cher Auto­ri­tät und Pries­ter­schaft, Sozial-Enter­tain­ment und Psy­cho­the­ra­pie? Statt behut- und bedeut­sa­mer Lit­ur­gie, Gos­pel­fes­ti­val und Erwe­ckungs­spek­ta­kel? Statt Zele­brant, Show­mas­ter?
Ist es dies, was Kir­che soll und was Reli­gio meint? Dies ist die künst­le­risch spar­sam aus­for­mu­lierte Frage, die sich der Rebell – und Mara ist ein sol­cher – ange­sichts der wach­sen­den Ten­denz der Kir­che, sich zwecks Neu-Mis­sio­nie­rung die mehr und mehr und immer schnel­ler und schnel­ler  aus­dün­nende Decke der Gläu­bi­gen mit ANPAS­SE­REI an das Gän­gige auf­zu­pols­tern – ANPAS­SE­REI an das schein­bar Gegen­wär­tige, das Gemein­sam­ge­schmäck­le­ri­sche, an den jeg­li­ches Füh­len ver­kle­ben­den Sirup, an die ROSA­ROTE BRILLE DES JEKAMI eben.

ICH BIN DANN MAL WEG scheint uns des Kunst­wer­kers Arran­ge­ment, neu­deutsch Instal­la­tion, mit­zu­tei­len – aber wohin ist er gegan­gen? Wohl kaum nach San­tiago de Com­pos­tela, obwohl gerade diese Pil­ger­reise seit etli­chen Jah­ren wie­der unter­nom­men wird und zwar nicht nur von Trend­set­tern aus der Ser­vela- und Cur­ry­wurst­pro­mi­nenz. In der Tat ist diese alte Pil­ger-Weg­stre­cke, die es in mehr­fa­cher Hin­sicht in sich haben kann, ein mög­li­cher Weg, sich wie­der zu fin­den – wie selbst­re­dend jeder Weg, der mit kon­zen­trier­ter Wahr­neh­mung gegan­gen wird, es in sich hat, indem er diese Hin­gabe und Andacht dem ein­sa­men Pil­ger mit erwei­ter­ter Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit ver­dankt. Und genau dahin möchte uns der Kunst­wer­ker wei­sen, denn darum geht es ja! So soll Kir­che sein! LEBEN­DI­GER WEG zum GRUND ALLER GRÜNDE.

Je finanz­li­be­ra­lis­ti­scher und wachs­tums­zwangs­ge­stör­ter der glo­ba­li­siert geschüt­telte, leis­tungs­de­fi­nierte Mensch ist, umso hef­ti­ger die Sehn­sucht nach etwas, das ihm einen tran­szen­den­ten Wider­hall sei­nes so kläg­lich win­zig gewor­de­nen Selbst ermög­licht. Abge­stumpft in der rei­nen Mate­ria­li­tät des Hedo­nis­mus sucht er natür­lich dem­ge­mäss dort, wo es laut genug ist, um seine ein­sa­men Ängste und seine Trauer ob den Ver­lust des Urgrun­des zu über­tö­nen.
Die­ser pan­de­misch anmu­ten­den Krank­heit sollte die Kir­che ent­ge­gen­ste­hen kön­nen, indem sie nicht Kon­fetti, son­dern Stille mit Sin­nes­echo zu bie­ten weiss.

Mag sein, dass Mara ein ana­chro­nis­tisch anar­chi­scher und über­aus komi­scher Papist ist. Aber er hat nichts gegen Hipp Hopp, Gos­pel, Psy­cho­the­ra­pie (sic!), Homo­se­xua­li­tät, Sozi­al­ar­beit oder sonst was! Aller­dings ist ihm eine Kir­che, die sich in Anbie­de­rung erschöpft, anstatt sich eine echte und leben­dige, neu fra­gende und reli­giös kern­kom­pe­tente Christ­li­che  Renais­sance zu leis­ten, zutiefst zuwi­der und sie bleibt ihm eben auch im ste­ti­gen Ver­dacht am Eigent­li­chen vor­bei zu schlu­dern und unfä­hig zu sein, jenen Suchen­den mehr als ein bil­li­ger Dro­gen­ersatz zu bie­ten.

Mara ist zwei­fels­frei Mora­list. Ich, der Autor die­ser Zei­len, bin dies auch.
Wie steht es mit Ihnen?

W. Stu­der

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