Nr53 Freiheit Sicherheit

Eisen­schloss antik, Schlüs­sel antik, 20x20x12cm, © mara 2015
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Inspiration

Unsi­chere Frei­heit – unfreie Sicher­heit.

Das Werk

<Nr53 Frei­heit Sicher­heit> Unre­flek­tierte fun­da­men­tale Gegen­sätze unse­rer Bestre­bun­gen (hier Frei­heit und Sicher­heit) las­sen uns schei­tern am rat­lo­sen Wie­der­ho­lungs­zwang des SOWOHL ALS AUCH. Da hilft auch der Schlüs­sel nicht. Kunst­sprech: LOCK-ART

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Klassifikation

<Nr53 Frei­heit Sicher­heit> ist ein Werk aus dem Werk­raum Gegen­satz

Bekanntgabe

März 2015 → zum Eröff­nungs­bei­trag Unsi­chere Frei­heit – unfreie Sicher­heit
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Serra und Zeitmaschine: Ein Schlüsselfall

Kommentar zum Werk Nr53

Nr53 Freiheit Sicherheit

Nr53 Frei­heit Sicher­heit

(stu) Dort wo im Sur­selva die Rus­sein von Nor­den zu Tale fällt um dann in der Sohle brav in den noch jun­gen Vor­der­rhein ein­zu­flies­sen als wär nichts gesche­hen, wird bis­wei­len mit Erfolg nach aus­ge­wa­sche­nem Gold gesucht. Die Gold­su­cher schwen­ken in gedul­di­gem Ritual ihre Siebe zwi­schen eini­gen Stei­nen, die stel­len­weise wie zufäl­lig geschich­tet erschei­nen – ein Phä­no­men, das ja in die­ser wil­den Gegend durch­aus bekannt ist. Was sollte im übri­gen, fragt sich viel­leicht der Gold­jä­ger in einer Ver­schnauf­pause den Schweiss von der Stirne wischend, eine Mauer quer über den an die­ser Stelle in der Regel als Bach, wenn nicht Bäch­lein, ziel­los dahin­plau­dern­dern Vor­der­rhein? Und was sollte eine Mauer mit­ten in der All­mend von Sum­vitg, knapp 2 Kilo­me­ter vor Disen­tis, mit sei­nem dem frän­ki­schen Hei­li­gen Mar­tin gewid­me­ten Klos­ter, mit­ten im Kan­ton Grau­bün­den und der Schweiz weitab jeg­li­cher Gren­zen und Aus­ser­halb jeg­li­cher bri­san­ter Besitz­ver­hält­nisse? Nie­mand und Nichts wäre mit einer Mauer an die­ser Stelle ein- oder aus­zu­schlies­sen, die poli­ti­sche und die topo­gra­fi­sche Ein­heit der Gegend ist nicht antast­bar und dem­zu­folge sind die schein­ba­ren Reste einer Tro­cken­mauer oder eines Stein­walls eben doch ein Spiel der bewusst­lo­sen Natur­ge­wal­ten und wenn der Gold­su­cher nicht längst schon wie­der mit Sieb­schwen­ken wei­ter­machte, könnte er sich einige tief­schür­fende Gedan­ken zu Phi­lo­so­phie des Schlos­ses, des Schlies­sens und dem mensch­li­chen Wahn stets irgend­wen oder irgend­je­man­den aus-, weg-, ab- oder ein­zu­schlies­sen zu machen. Weil ja die Vor­rich­tung in der Funk­tion biva­lent-polar und durch wenig und jeder­zeit auf­zu­brin­gen­der Initia­ti­ons­en­er­gie ja einem Pen­del gleich das Schlies­sen zum Öff­nen über­führt wer­den kann, solls auch gleich wie­der zurück und das Ganze dann bitte auf ewig und in Licht­ge­schwin­dig­keit zum dyna­mi­schen Stac­cato einer phi­lo­so­phi­schen Deus ex machina auf­heu­len las­send. Diese Maschine geriete dem Zau­ber­lehr­ling zum wun­der­sinn­lo­sen Hei­sen­berg­schen Unschärfe rela­ti­ven Dauer-Oszil­la­tor, der einer nicht­exis­tente Wesen­heit zwi­schen Frei­heit und Sicher­heit ver­pflich­tet bliebe. Der Gold­su­cher – in die­sem Falle dem alchi­mis­ti­schen Gold­ma­cher näher, als der­je­nige ihm – hätte den über­ra­schen­den Vor­teil das Unver­ein­bare in Ver­ei­ni­gung unter die geis­tige Lupe neh­men zu kön­nen.

Was lern­ten er und wir mit ihm dar­aus? Nichts und Alles! Nichts, weil er die nutz­los kopf­zer­bre­chende Maschine als­bald in der tiefs­ten Tiefe der Rhein­schlucht hätte zer­schel­len las­sen. Alles, weil er die Maschine, sobald er erkannt hätte, was sie doch eigent­lich ist, bestie­gen hätte und mit ihr die Ver­gan­gen­heit und die Zukunft bereiste – ohne dann halt je wider in der Gegen­wart ankom­men zu kön­nen.

Ja, der Kunst­wer­ker hat schon recht. Es gibt keine freie Sicher­heit und auch keine sichere Frei­heit. Aber jeder Ver­such, Frei­heit siche­rer und Sicher­heit freier zu gestal­ten, darf als men­schen­wür­di­ger Pro­zess ins Auge gefasst und als Annä­he­rung – nicht als Uto­pie – in das Tun ein­be­zo­gen wer­den.

Der Gold­su­cher im Sur­selva übri­gens hat sich natür­lich geirrt – Gold­su­cher irren ohne­hin immer. Die bewuss­ten Steine sind in der Tat die Reste einer früh­mit­tel­al­ter­li­chen SERRA, einer Land­wehr, Bar­riere und Grenze zwi­schen der Rae­tia Prima im Osten und dem Gebiet im Wes­ten, in dem erst spä­ter ein Klos­ter zu Stande kam. Wobei pikan­ter­weise beide Gebiete seit dem 5. Jahr­hun­dert Chlod­wig dem mero­win­gi­schen König der Fran­ken unter­stan­den. Chlod­wig, des­sen erste Frau im Harem ihn zum Chris­ten­tum über­re­den konnte, fand wohl aus Grün­den der bes­se­ren Kon­trolle, der Admi­nis­tra­tion und weil es ihm gefiel, ein Ekel­pa­ket zu sein, dass seine chur­rä­ti­schen Unter­ta­nen in den Gebie­ten jen­seits der SERRA nichts zu suchen hät­ten. War die­ses nun klug, war Chlod­wig, der übri­gens auch als Christ trotz Pro­test sei­tens sei­ner Favo­ri­tin die Viel­wei­be­rei bei­be­hielt, über­haupt klug? Wir wis­sen es nicht. Aber sein Leben war weder sicher noch frei. Es war halt ein Leben wie jedes andere auch.

Letzte Bemer­kung: ist Ihnen bei der Betrach­tung der Schloss-Skulp­tur von Mara, die ja nur in ihrem exklu­si­ven Stand­ort auf dem uns bes­tens bekann­ten Sockel­ge­viert über­haupt als Kunst­werk akzen­tu­iert wird, wie Trüm­mer einer Zeit­ma­schine aus­se­hen und dass der kleine, so dienst­fer­tig bereit­lie­gende Schlüs­sel gar nicht zum Schloss passt? Kann der Kunst­wer­ker womög­lich das Schloss gar nicht schlies­sen oder gar nicht öff­nen wol­len? Ist der Kunst­wer­ker und Psych­ia­ter ein Schlüs­sel­kind und sich selbst ein Schlüs­sel­fall? Und was wol­len denn eigent­lich wir selbst?

Mär 2015, W. Stu­der

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