Du brauchst dich nur zu entscheiden

Prolog zum Werk Nr82

Nr82 Multioptionsgesellschaft

Nr82 Mul­ti­op­tion­s­ge­sellschaft

Die west­liche Mod­erne treibt sich in ihrem Wachs­tums­wahn immer weit­er an und sprengt “mul­ti­op­tion­al” alle Gren­zen — eine end­lose Par­ty mit end­los­er Pro­duk­te­vielfalt. Da aber nie­mand alles haben oder wer­den kann — wir haben nur einen Magen und ein Leben — sieht sich jede Gesellin/ jed­er Geselle der Kon­sumge­sellschaft erst ein­mal ver­sucht “die besten Optio­nen” für seine/ihre Per­son­al­i­ty-Show her­aus­finden zu müssen. Blöd nur, dass der daraus resul­tie­rende Rea­li­sie­rungs­druck – von der Sozio­lo­gie­for­schung in reprä­sen­ta­tiven Stu­dien mehr­fach bestä­tigt – den ersehn­ten Anstieg des Glücks gera­dezu ver­hin­dert (Qual der Wahl). Das Gene­rieren von immer neuen Hand­lungs- und Kon­summ­ög­lich­keiten set­zt zudem eine ste­tige Los­lö­sung vom Alt­her­ge­brachten und damit den zuneh­menden Ver­lust von Gewiss­heiten voraus. Alles wird mög­lich, nichts ist wirk­lich. Eine regel­lose Exis­tenz in der Mul­ti­op­tio­na­lität, frei von reli­giösen und kul­tu­rellen Tabus, frei von überkomme­nen Bindun­gen. Du brauchst dich nur zu ent­scheiden…

Für mein Alter Ego Mara ist die wachs­tums­wahn­hafte Illu­sion – dass unser Leben durch eine ste­tige Zunahme der Pro­duk­teviel­falt und durch das Weg­ra­tio­na­li­sieren von reli­giösen und kul­tu­rellen Tabus immer bess­er werde – allerd­ings eine dieser merk­würdi­gen Rah­men­hand­lungen, die es gebi­eten, dem Wach­s­tumsmoloch ins Auge zu ­blick­en, zu maulen und skep­tisch-fro­h­ge­mut nach vorne zu — kunst­werken. Was den son­st? Und wenn sich dann das Ergeb­nis dieses Schaf­fens auch noch gän­zlich opti­onslos — als Unikat ohne Qual der Wahl — präsen­tiert, dann passt‘s scho:

⇒ Werk­seite <Nr82 Mul­ti­op­ti­ons­ge­sell­schaft> mit wei­teren Bil­dern, Werk­daten und einem Kom­mentar von W. Stud­er

One thought on “Du brauchst dich nur zu entscheiden

  1. Wir haben die Wahl zwis­chen 100 Joghurt, 20 ver­schiede­nen Klopa­pier­sorten oder 40 Zahn­bürsten. Ist das die Frei­heit, die wir brauchen? Die uns in bunter Wer­bung vorge­gaukelt wird? Oder soll­ten wir uns nicht vielmehr um Frei­heit­en küm­mern, die immer mehr beschnit­ten wer­den, Freiräume, die ver­schwinden im immer grösseren Geset­zes­d­schun­gel?


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