Die Pest ist ein Aperçu

Aus der Serie «Sprachperlen»

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Nr45 Eska­la­ti­on

(stu) Ein Hauch von edlem Holz­spiel­zeug von unschul­diger Hand­werk­lich­keit und abs­trakter plas­ti­scher Qua­lität, zwi­schen PAS­TO­RINI und VISA GLORIA zu asso­zi­ieren. Auch gera­de mit sei­ner fast pud­rig fei­nen Ober­fläche zeigt sich <Nr45 Eska­la­ti­on> als künst­le­ri­sche Spie­lerei in Weiss und Rot und – als lich­tes ste­hendes Mobi­le schwe­bend erschei­nend – als eine der Ästhe­tik CALDER’S ver­pflich­tetes Werk, das in sei­nem Sin­ne auch als UN BLANC ET UN ROUGE beti­telt wer­den könn­te.

Da ist dann auch noch die­ser fast zu über­se­hende Knick in der in Weiss und Rot ansons­ten wun­der­schön har­mo­nisch figu­rierten Bucht. Gleich­sam einem gestal­te­ri­schen Aper­çu, spon­tan ent­wachsen der Intui­tion des Autors als raf­fi­niert hüb­sche Unre­gel­mäs­sig­keit, die der Betrach­tung zusätz­lich Anreiz ver­leiht.

Nun gut. Die Lust der Betrach­ter hält sich ja dann doch ziem­lich in den Gren­zen der unschö­nen Rea­lität, die sich in der im Werk von Mara tat­säch­lich wie­der­ge­ge­bene Kur­ve des welt­weiten Wachs­tums der mensch­li­chen Spe­zies unmit­telbar prä­sen­tiert.
Wobei – aus Platz­gründen hat der Doku­men­ta­rist offen­bar nicht ein­mal die voll­stän­dige Kur­ve zu zei­gen ver­mocht, son­dern nur qua­si den jüngs­ten Abschnitt die­ses in dra­ma­ti­scher Expo­nen­ta­lität in die Unvor­stell­bar­keit ein­mün­denden Ver­laufes. Den Mass­stab des Wer­kes ein­hal­tend näm­lich, hät­te der Kunst­werker, woll­te er wirk­lich auch den Beginn der Kur­ve dar­stellen, mehr als 50 Meter dem bereits bestehen­den Part vor­an­setzen müs­sen!

Wer nun fin­det, mara sei ein fan­ta­sie­loser Angst­ma­cher, reagiert wie jener König, der die Über­bringer schlech­ter Bot­schaften hin­richtet – damit er die noch ver­blei­bende Zeit im Hoch­ge­fühl sei­ner ver­meint­li­chen All­macht ver­leben kann.

Das genann­te bild­liche Aper­çu, jene kokett reiz­voll geist­reich die Haupt­kurve leicht stö­rende Ker­be übri­gens ent­spricht der im spä­ten Mit­tel­alter nicht nur in Euro­pa gras­sie­renden Pest. Die Pest also, ent­larvt als gewis­ser­massen ein letzt­lich uner­heb­li­ches Moment im töd­li­chen Gleich­mass der gra­fi­schen Schön­heit der Popu­la­ti­ons­kurve des Men­schen.

Nov 2014, W. Stu­der

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