Vom physischen Überlebenskampf in ungezähmter Natur wird das Individuum in einen psychischen Überlebenskampf in durchreglementierter und hypernervöser Zivilisation treten... - Hans Widmer
 

Hätten Sie’ s gewusst?

Prolog zum Werk Nr100

Nr100 Die Zins­schrau­be

Für Bernd Will­fried Senf

“Die Men­schen glau­ben viel leich­ter eine Lüge, die sie schon hun­dert­mal gehört haben, als eine Wahr­heit, die ihnen völ­lig neu ist” — Alfred Pol­gar

Die Schul­den der Welt über­tref­fen mitt­ler­weile die glo­bale Wirt­schafts­leis­tung um mehr als das Drei­fa­che (Ende 2016: 325%). Der neue Oxfam-Bericht zeigt außer­dem, dass das reichs­te Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung 50,8 Pro­zent des welt­wei­ten Ver­mö­gens besitzt – und damit mehr als die rest­li­chen 99 Pro­zent zusam­men. Soweit so schlecht, nichts Neu­es von der Front, der all­jährliche Wahn­sinn halt, weiss man ja. Aber hät­ten Sie auch gewusst […]

 

Die Pest ist ein Aperçu

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr45 Eska­la­ti­on

(stu) Ein Hauch von edlem Holz­spiel­zeug von unschul­di­ger Hand­werk­lich­keit und abs­trak­ter plas­ti­scher Qua­li­tät, zwi­schen PAS­TO­RINI und VISA GLO­RIA zu asso­zi­ie­ren. Auch gera­de mit sei­ner fast pud­rig fei­nen Ober­flä­che zeigt sich das neus­te Pro­dukt als künst­le­ri­sche Spie­le­rei in Weiss und Rot und – als lich­tes ste­hen­des Mobi­le schwe­bend erschei­nend – als eine der Ästhe­tik CALDER’S ver­pflich­te­tes Werk, das in sei­nem Sin­ne auch als UN BLANC ET UN ROUGE beti­telt wer­den könn­te.

Da ist dann auch noch die­ser fast zu über­se­hende Knick in der in Weiss und Rot ansons­ten wun­der­schön har­mo­nisch figu­rier­ten Bucht. Gleich­sam einem gestal­te­ri­schen Aper­çu, spon­tan ent­wach­sen der Intui­tion des Autors als raf­fi­niert hüb­sche Unre­gel­mäs­sig­keit, die der Betrach­tung zusätz­lich Anreiz ver­leiht […]

 

Fortschritt

Prolog zum Werk Nr97

Nr97 Fort­schritt

Wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus ermor­det medi­zi­ni­sches Per­so­nal in Dut­zen­den soge­nann­ten Heil- und Pfle­ge­an­stal­ten mehr als 70’000 geis­tig und kör­per­lich Behin­der­te, die zuvor von ärzt­li­chen Gut­ach­tern zur geziel­ten Tötung selek­tiert wer­den. Dar­un­ter sind auch vie­le Men­schen mit Down-Syn­drom (Mon­go­loi­dis­mus). Ziel die­ser soge­nann­ten Akti­on-T4 ist es, die Aus­brei­tung “min­der­wer­ti­gen Erb­gu­tes” zu ver­hin­dern und die Schaf­fung eines “ras­ser­ei­nen Vol­kes” zu för­dern. Auf­be­geh­ren gegen die sys­te­ma­ti­sche Tötung ver­meint­lich „lebens­un­wer­ten“ Lebens gibt es wenig, nen­nens­wer­ter Wider­stand geht allein von ein­zel­nen Rich­tern und Ange­hö­ri­gen der Opfer, vor allem aber von ein­zel­nen Ver­tre­tern der christ­li­chen Kir­chen aus. NIE WIEDER — wird man spä­ter sagen […]

 
Unsere enorm produktive Wirtschaft verlangt, dass wir den Konsum zum Lebensinhalt machen, dass wir den Kauf und Gebrauch von Waren in Rituale verwandeln, dass wir unsere spirituelle Befriedigung, unsere Ich-Befriedigung im Konsum suchen. Wir müssen dafür sorgen, dass immer mehr Dinge konsumiert, verbraucht, aufgetragen, ersetzt und weggeworfen werden. - Victor Lebow
 

Cochonnerie

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr42 Senkrechte Schweine

Nr42 Senk­rech­te Schwei­ne

(stu) Der Psych­ia­ter führt einen Ror­schach­test durch. Der Pro­band asso­zi­iert bei jedem der unter­schied­li­chen Klecks­bil­der das Glei­che, näm­lich eine wil­de Sex­or­gie. Der Psych­ia­ter, eini­ger­ma­ßen ver­dutzt, fragt den Pro­ban­den, was denn mit ihm los sei. Der Pro­band, nun eben­falls ver­dutzt und leicht empört zum Psych­ia­ter: “Aber sie haben mir doch alle die­se Schwei­ne­reien gezeigt”!

Die Kunst liegt im Auge der Betrach­ter, stellt man mit Recht fest. Die Schwei­ne­rei offen­sicht­lich auch – und in vor­ge­ge­be­nen Fall des neus­ten Wer­kes des Kunst­wer­kers, den SENK­RECH­TEN SCHWEI­NEN, gilt dies in dop­pel­ter Wei­se, ist doch die­ses Werk ein sol­ches der Kunst und zugleich eine Schwei­ne­rei oder, im Ton etwas ele­gan­ter und weni­ger kru­de, eine COCHON­NE­RIE, die zudem inso­fern das Poten­tial zur hin­ter­sin­ni­gen Pikan­te­rie in sich trägt, als der Urhe­ber ja auch Psych­ia­ter ist. Ein Werk also, das – genau­so wie der ein­gangs zitier­te Witz – grund­sätz­lich und sozu­sa­gen zum Vor­aus Wahr­heit in sich trägt, die uns hier unbe­dingt als Pro­fi­laxe gegen die all­ge­meine Faul­heit des Den­kens und dito Humor­lo­sig­keit ärzt­lich ver­schrie­ben wird. […]

 
Doch auch wenn Ehrlichkeit oft die beste Strategie ist, beruht Politik auf den Meinungen der Leute, und deshalb ist das Manipulieren von Meinungen so wichtig. - Roger Scruton
 

Dein Bauch gehört dir

Prolog zum Werk Nr95

Nr95 Ein bunter Strauss

Nr95 Ein bun­ter Strauss

Mei­ne <Nr61 Kin­der­leicht> vor knapp zwei Jah­ren war inspi­riert vom Ein­druck, die säku­la­re Kon­sum­ge­sell­schaft habe sich ihrer christ­lich-hip­po­kra­ti­schen Ver­ant­wor­tung bequem ent­le­digt, indem sie die äus­serst läs­ti­ge Schuld­fra­ge beim Abtrei­ben bis zur zwölf­ten Schwan­ger­schafts­wo­che allein der uner­wünscht Schwan­ge­ren über­liess. Sie erin­nern sich: Dein Bauch gehört dir — dei­ne Ent­schei­dung — dei­ne Ver­ant­wor­tung — dei­ne Schuld.

Mitt­ler­wei­le gehö­ren hier­zu­lan­de täg­lich durch­schnitt­lich 27 lega­le Abtrei­bun­gen zum selbst­ver­ständ­li­chen Ärz­te­all­tag. Seit die Schwei­zer Bevöl­ke­rung vor 15 Jah­ren die Fris­ten­lö­sung lega­li­siert hat, hört man öffent­lich kaum noch von Ärz­ten, Heb­am­men oder Pfle­ge­fach­per­so­nen, die sich aus Gewis­sens­grün­den wei­gern “es” zu tun. Und wenn, dann kön­nen “Sach­zwän­ge” dazu füh­ren, dass sie des­we­gen eine Anstel­lung nicht erhal­ten oder nicht behal­ten kön­nen […]

 
Denken ist schwer, darum urteilen die meisten. - Carl Gustav Jung
 

Mottfeuer

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr39 Ein herausragender Kopf

Nr39 Ein her­aus­ra­gen­der Kopf

(stu) In die­ser Zeit nun, die kei­nes­wegs und nie­mals und durch nichts zu defi­nie­ren ist, kommst du, Kunst­wer­ker Mara, als künst­le­ri­sch schlaf­wan­delnd Tref­fen­der mit dei­nem neus­ten Kunst­werk – gleich­sam dem Kin­de rei­nen Her­zens und dem blin­den Seher, die ja, wie wir alle, auch dem dümms­ten Bau­ern und sei­ner gröss­ten Kar­tof­fel nahe­ste­hen.

Die­ses Opus zeigt der unmit­tel­ba­ren Wahr­neh­mung einen mensch­li­chen Kopf, der, offen­sicht­lich fein­säu­ber­lich abge­trennt, in einem jener hüb­schen weis­sen Pfei­ler­so­ckel, die dem Publi­kum als Basen etli­cher dei­ner Wer­ke bereits bekannt sind, der­art ein­ge­gos­sen wur­de, dass nur­mehr das Schä­del­dach bzw. der sorg­fäl­tig gekämm­te Haar­schopf des­sel­ben sicht­bar ist […]