Nr13 Rahmenhandlung 1

Stahlblech gefalzt und geschweisst, Lein­wand, Acryl­farbe, 190x100x6 cm, © mara 1996

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Inspiration

Men­sch­sein als Rah­men­hand­lung ohne Alter­na­tive. Arg­los, die wir fühlen, Herr im eige­nen Haus zu sein… welch ein Segen!

Das Werk

<Nr13 Rah­men­hand­lung 1> Soziale Inter­ak­tion wird nicht als los­gelöste, unab­hängige Einzel­er­schei­n­ung inter­pretiert, son­dern als von ihrem jew­eili­gen bio- psy­cho-sozialen Rah­men abhängige Zeit­er­schei­n­ung, eben als Rah­men­hand­lung.

Klassifikation

<Nr13 Rah­men­hand­lung 1> ist ein Werk aus dem Wer­kraum Rah­men­hand­lung

Bekanntgabe

1996, mara
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Showdown

Kommentar zum Werk Nr13

Nr13 Rahmenhandlung 1

Nr13 Rah­men­hand­lung 1

(stu) Einem aus sol­id gefalztem Stahlblech zum rechteck­i­gen Geviert ver­schweis­sten Rah­men ist ein asym­metrisch platziertes Tableau ein­ge­lassen oder bess­er auf ewig ver­haftet, gefasst, verurteilt und ver­ban­nt. Dieses Gemälde zeigt ein aus dem Plas­ma goldgel­ber Atmo­sphäre entste­hen­des Kon­ter­fei, das noch an der Natur gesucht, als­bald aber in eine karikierende und ansatzweise abstrahierende Malerei ein­mün­det und schliesslich hierin ohne Abschluss endet.

Ger­ade weil dieses Werk die Gewich­tung auf den dem men­schlichen Sein imma­nen­ten ewigen Rah­men legt, bleibt es pikant und aber­witzig unger­ahmt. Denn der gegebene mächtige Stahl-Rah­men ist ja eigentlich­er Bild­in­halt. Er ist Chas­sis und Fun­da­ment aller Exis­tenz, der er Ohn­macht auf immer ver­lei­ht und dem nicht zu entrin­nen ist. Der somit selb­st der Frei­heit des Inhaftierten im Banne dieses Rah­mens zu verbleiben para­dox­er­weise ent­ge­gen­ste­ht und der­art jeglich­es Geschehen und Tun als Rah­men­hand­lun­gen denun­ziert und im weit­eren die Möglichkeit jeglichen Wil­lens als Illu­sion, als lediglich selb­st-betrügerische Beschöni­gung ent­larvt.

Diese dem his­torischen Deter­min­is­mus LEIBNITZ — jen­em die Gegen­wart durch seinen Binärkode beherrschen­den Genies — verpflichtete Anti-Philoso­phie erk­lärt nichts. Sie stellt und set­zt hinge­gen fest.

Diese Arbeit ist zwar im Schaf­fen des Kunst­werk­ers nicht allein stilis­tisch ein absoluter Solitär. Den­noch enthält sie das Par­a­dig­ma seines gesamten Kunst­werkens. Es ist sozusagen das ERSTE Werk Mara’ s und gle­ich­wohl ein Let­ztes, Geburt­sanzeige, Nachruf und Tes­ta­ment in einem. Bru­tale Offen­barung inner­ster und ele­men­tarster Ver­wun­dung im Gesicht geprügel­ter Seinsverge­gen­wär­ti­gung. Dieses über Auto­bi­ographis­ches hin­weg- und weit darüber hin­ausziehende Schmerzens­bild des Selb­st erweist sich ein­er Analyse nur schein­bar zugänglich, denn jedes dies­bezügliche Forschungsergeb­nis ist nichts als Betra­ch­tung eigen­er Spiegel­bildlichkeit. Ein ECCE HOMO unser aller Selb­st als SHOWDOWN in der escha­tol­o­gis­chen Abend­sonne, im absoluten Gold der Null- und Unendlichzeit des AION, der den fass­bar endlichen CHRONOS enden lässt. Ort der let­zten Dinge, des Welt­gerichts über diese und der Erken­nt­nis, dass nichts jemals war und nichts jemals sein wird, aber alles stets ist.

Und genau in dieser Sehweise eröffnet sich echter untrüglich­er Trost. Der trau­rige Clown PIERROT, aber auch ARRLECCINO der Com­me­dia del Arte und nicht zulet­zt der in sein­er absoluten Sin­ntiefe ewig unter­schätzte und ver­harm­losend zum Kindervers mar­gin­al­isierte ober­rheinis­che HANSDAMPF IM SCHNOGGELOCH sind die ver­ständi­gen Väter dieses pro­gram­ma­tis­chen Geständ­niss­es des Kunst­werk­ers. Nick­en wir get­rost diesem auch unserem Abbild zu und lassen wir es wirken — aber Vor­sicht, nicht zu lange!

Jan 2015, W. Stud­er

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