Giftige Kröte

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Nr27 Weich­ling 3, 2013 © kun­st & wach. Klick­en zum Ver­grössern

Ich freue mich, Ihnen das dritte Werk aus der Serie Weich­linge bekan­nt­geben zu kön­nen: <Nr27 Weich­ling 3>

Eigentlich möchte der Weichling gar kein Weichling sein — ich bin ein Weichling

- Nr27 Weich­ling 3, mara 2013
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“Immer wenn ein Fre­und von mir Erfolg hat, stirbt etwas in mir.”
(Gore Vidal)

Wür­den Sie zugeben, nei­disch zu sein? Nei­disch auf einen Fre­und? Freimütig und öffentlich zugeben? Mich jeden­falls hat Gore Vidal mit seinem ungeschmink­ten Beken­nt­nis — so ger­ade her­aus — sehr über­rascht und beein­druckt. Denn Neid ist nun mal eine ganz und gar ein­same (Tod-)Sünde, für die es “ein­fach keine sozial akzep­tierte Recht­fer­ti­gung gibt” (Georg Fos­ter). Wohl nicht zulet­zt deshalb nan­nte ihn der englis­che Dra­matik­er William Shake­speare ein “grünäugiges Mon­ster” und der Philosoph Arthur Schopen­hauer eine “giftige Kröte”.

Kein gutes Image

Obwohl dur­chaus häu­fig auftre­tend und jedem bekan­nt, ver­schafft einem der Neid gar kein gutes Image, sodass man ihn tun­lichst und still für sich behält. Warum aber zählt eigentlich der Neid zu den Tod­sün­den*, wo er doch als einzige “über­haupt keinen Spass macht” (Joseph Epstein), ja sich sog­ar qualvoll gegen den Nei­der selb­st richtet? Ein zer­set­zen­der Schmerz angesichts frem­den Woh­lerge­hens, nur durch fremdes Leid kurzzeit­ig zu mildern? Wo sich doch der Nei­der selb­st ver­achtet dafür, dass er Nah­este­hen­den alles Übel auf Erden wün­scht, nur weil ihm deren Erfolg unerträglich erscheint?

(*) Neid, Hochmut, Geiz, Zorn, Wol­l­lust, Völlerei und Trägheit

Böse Zungen

Psy­cholo­gen der Yale Uni­ver­si­ty haben her­aus­ge­fun­den, dass sich etwa 60 Prozent aller Gespräche unter Erwach­se­nen um nicht anwe­sende Per­so­n­en drehen. Oft steck­en dahin­ter Nei­dge­füh­le.

Neid bleibt in der Nähe

Oft sind die Benei­de­ten die besten Fre­unde der Nei­der. An der Uni­ver­sität Geor­gia stell­ten Forsch­er fest, dass Test­per­so­n­en bei einem (Konkurenz-) Test ihre Fre­unde deut­lich stärk­er benachteiligten (sic!) als fremde Teil­nehmer. Die Erk­lärung der Forsch­er: “Sie kon­nten es nicht ertra­gen, aus­gerech­net schlechter als ihre Kumpels zu sein. Der Neid, so beschreiben es die psy­chol­o­gis­chen Mod­elle, ist in erster Lin­ie ein Phänomen der sozialen Nähe”.

Wohlstand hilft nicht

“Neid kriecht nicht in leere Sche­unen” — Deutsches Sprich­wort

Wer etwas hat, will immer mehr, wer alles hat, der will etwas anderes. Wohl­stand hebt die Moral nicht, denn die Wün­sche der Men­schen sind eben­so uner­schöpflich wie ihre Fan­tasien. Wenn jed­er ein Auto, einen Kühlschrank und ein Fernse­hgerät besitzt, dann benei­det man den anderen eben um sein Ausse­hen oder seine Gesund­heit, um sein Anse­hen oder um sein Charis­ma. Neid beflügelt den ungezügel­ten Kon­sum- und Wach­s­tum­swahn.

Neid vernichtet

Andrew Oswald und Daniel Ziz­zo von der britis­chen War­wick Uni­ver­si­ty stell­ten Test­per­so­n­en vor die Wahl, ihren (unter­schiedlichen) Gewinn aus einem Glücksspiel mit nach Hause zu nehmen oder gegen Bezahlung (25 Pence pro Pfund) den Gewinn der Mit­spiel­er zu ver­ringern: „Zwei Drit­tel der Kan­di­dat­en haben sich an dieser Geld­ver­nich­tung beteiligt und dabei die Hälfte aller Gewinne zer­stört“ stell­ten die Forsch­er fest — und führten dieses Ver­hal­ten auf Neid zurück.

Weiter verdrängen?

Neid zer­set­zt Fam­i­lien und Fre­und­schaften, erzeugt (Selb­st-) Ver­ach­tung, löst böse Zun­gen, beflügelt den ungezügel­ten Kon­sum- und Wach­s­tum­swahn, ver­nichtet gemein­samen Gewinn, ist häu­fig und — muss ver­drängt wer­den. Neid ist all­ge­gen­wär­tig und wäre für das Ver­ständ­nis der men­schlichen Natur eigentlich sehr beacht­enswert. Wann also wird es möglich sein, freimütig über dieses schwierige Gefühl zu reden? Ohne reflexar­tige Abw­er­tung? Öffentlich — wie Gore Vidal es gewagt hat?

Zum Werk

Zur Werk­seite <Nr27 Weich­ling 3> mit weit­eren Bildern, Werk-Dat­en und einem Kom­men­tar von W. Stud­er

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One thought on “Giftige Kröte

  1. Wieso Tod­sünde? Neid ist ein (allzu) men­schlich­es Gefühl, das sog­ar — wie es heute in der Zeitung zu lesen war — seine pos­i­tiv­en Seit­en hat: Neid kann ans­pornen, sich anzus­tren­gen, um mit dem Benei­de­ten gle­ichzuziehen, oder gar ihn zu über­holen. Und erst der Benei­dete: Er ist der Benei­denswerte, kann den Neid der andern geniessen…Also lassen wir dem Neid sein Plätzchen in der men­schlichen Psy­che.


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