Bindung, oder das seiende Sein des Seins

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr16 Bindung

Nr16 Bin­dung

(stu) Im aus­ge­spro­chen har­mo­ni­schen For­mat, das Schwarz halb­wegs und mit zöger­li­chen Schwung auf­ge­schlitzt, so dass das intime Blut­rot dar­un­ter schmerz­lich sicht­bar wird. Diese häss­li­che Wunde, die­ser sadis­tisch bewusst geführte Schmiss quer über die ganze Flä­che der eben noch hei­len und dis­kret schwar­zen Aus­deh­nung des For­ma­tes, erfährt dann eine nicht wirk­lich hei­lende und besänf­ti­gende Bin­dung mit­tels voll­stän­dig unge­eig­ne­ten Metall­klam­mern im Design des doch eigent­li­chen puber­tä­ren und inso­fern harm­lo­sen  Sado-Punks und Heavy Metall der 80-iger Jahre des letz­ten Jahr­hun­derts, als diese Form eigent­lich einer Selbst­ver­let­zung eines zwar suchen­den aber halt nie fin­den­den und des­we­gen trot­zig-trau­ri­gen Men­schen gleich­kam, was glück­li­cher­weise Nie­man­dem Skan­dal war und ist.

Inter­es­sant an die­ser Über­sicht zu den Rea­lien die­ses Wer­kes des Kunst­wer­kers ist allen­falls, dass die Gegen­wart und die jün­gere Ver­gan­gen­heit diese in einer am Sinn des Kunst­werks eben­falls vor­bei­ge­hen­den asso­zia­tive Befrach­tung mit blu­tig mor­den­den schwarz ver­mumm­ten Hor­den erfährt.

All dies und noch viel mehr kann und muss hier asso­zi­iert wer­den, aber darum geht es dem Kunst­wer­ker allen­falls auf einer ter­tiä­ren Ebene.

Der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis der pri­mä­ren Ebene und dem Sinn die­ses Wer­kes bie­tet die Beschrif­tung. Deut­lich hat Mara diese Legende, die dann doch nicht so ein­fach zu ver­ste­hen ist, wie man anneh­men könnte, in min­des­tens dop­pel­tem Sinne ins Bild gesetzt. Beim Kunst­wer­ker wird die­ser Begriff nicht nur in aller Kon­se­quenz unvor­ein­ge­nom­men ernst genom­men, was bedeu­tet, dass BIN­DUNG Gewinn aber auch Ver­lust und eigent­lich bei­des zur glei­chen Zeit dar­stellt. Bin­dung als nur halb geschlos­sene, dürf­tigst und schmerz­haft auf­recht­zu­er­hal­ten, die den­noch nie­mals auf­zu­ge­ben ist, denn damit wäre die Ver­wun­dung im Sein des Men­schen eben auch nicht auf­ge­ho­ben und geheilt. Über­ge­ord­net phi­lo­so­phiert ist es die eisige Erkennt­nis, dass DAS SEI­ENDE SEIN DES SEINS eben das ganz pro­fan reale Erle­ben des unauf­lös­li­chen Schmer­zens ist. Da ist kein Geheim­nis. Da ist nur Ohn­macht im Spie­gel des Bewusst­seins und halt zu lebende Aus­weg­lo­sig­keit. Mag sein, dass hierin das wesent­li­che Agens des Reli­giö­sen liegt, das Agens für das Gegen­teil ist es jeden­falls sicher und in der Theo­lo­gie ist die­ses Pro­blem des von einem all­mäch­ti­gen und lie­ben­den Gott zuge­las­se­nen gequäl­ten und absur­den mensch­li­chen Sein als die unlieb­same, weil nicht wirk­lich zu erklä­rende Theo­di­zee ein mög­lichst zu unter­drü­cken­des.

Maras BIN­DUNG, soviel ist klar, ist aus dem Stein­bruch der weit­ge­hend unbe­ein­fluss­ten Wahr­neh­mung müh­sam und im Selbst­ver­such gewon­nen und sein Seins­be­griff ent­fal­tet sich zwangs­läu­fig in die Rich­tung aus­ge­rech­net jenes ein­zi­gen Seins­phi­lo­so­phen der das Sein, wie­wohl prin­zi­pi­ell als unfass­li­che Emana­tion ver­stan­den, trotz­dem im Kon­kre­ten, dem Fass- und Erleid­ba­ren, der PAS­SION DES LEBENS eben zu defi­nie­ren behaup­tet. Es ist aus­ge­rech­net jener gran­diose und als pro­to­christ­lich emp­fun­dene PLA­TON, der zudem als jener Den­ker pro­fi­liert ist, der jeg­li­che mate­ri­elle Exis­tenz als Stre­ben der­sel­ben nach der eige­nen Uridee, dem zuge­hö­ri­gen Urprin­zip begreift und dies intel­lek­tu­ell prak­tisch unan­tast­bar zu ver­tre­ten wusste.
Diese Zuord­nung der Inten­tio­nen Maras spot­ten auch aller Denun­zia­tion in Rich­tung Depres­sion. Wer sich Mara nicht in irgend­ei­ner selbst­ge­wähl­ten For­mu­lie­rung anschlies­sen mag, lan­det unwei­ger­lich in der Lau­heit – was im Sinne Pla­tons das Stre­ben nach der bei ihm eigent­lich gar nicht vor­kom­men­den Uridee des Ster­bens bedeu­ten würde.

Mai 2015, W. Stu­der

________________________________
zum Werk

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.