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Sprachperlen (Serie)

Vorbemerkungen zur Serie

Rainer Sturm / pixelio.de

Rai­ner Sturm / pixelio.de

Werk­kom­men­tare zu bekom­men ist eine Ehre und gemein­hin auch erfreu­lich. Wenn sol­che dann auch noch aus der sach­kun­di­gen Feder eines W. Stu­der stam­men, ist für KUNST­HIS­TO­RI­SCHES GESCHWUR­BEL reich­lich gesorgt. Cha­peau! Der Kunst­wer­ker ist fas­zi­niert von der sprach­li­chen und ana­ly­ti­schen Elo­quenz die­ses Kom­men­ta­tors und die­sem zu herz­li­chem Dank ver­pflich­tet. Wenn Einer der­ar­tige Sprach­per­len auch noch in kür­zes­ter Zeit aus dem Ärmel zu schüt­teln ver­mag, DANN MUSS DAS KUNST SEIN.

Es liegt also gera­dezu auf der Hand, den rhe­to­ri­schen Kost­bar­kei­ten von W. Stu­der eine Arti­kel­se­rie zu wid­men und damit in locke­ren Abstän­den auf einen sei­ner Werk­kom­men­tare hin­zu­wei­sen. Eine Über­sicht über alle bis­he­ri­gen Arti­kel der Serie kön­nen Sie sich jeweils über die Sei­ten­leiste unter >Sprach­per­len (Serie) ver­schaf­fen.

Viel Ver­gnü­gen beim Per­len­tau­chen…

 

Showdown

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr13 Rahmenhandlung 1

Nr13 Rah­men­hand­lung 1

(stu) Einem aus solid gefalz­tem Stahl­blech zum recht­ecki­gen Geviert ver­schweiss­ten Rah­men ist ein asym­me­trisch plat­zier­tes Tableau ein­ge­las­sen oder bes­ser auf ewig ver­haf­tet, gefasst, ver­ur­teilt und ver­bannt. Die­ses Gemälde zeigt ein aus dem Plasma gold­gel­ber Atmo­sphäre ent­ste­hen­des Kon­ter­fei, das noch an der Natur gesucht, als­bald aber in eine kari­kie­rende und ansatz­weise abs­tra­hie­rende Male­rei ein­mün­det und schliess­lich hierin ohne Abschluss endet. (mehr …)

 

Das Pferd im Märchen des Lebens

Aus der Serie «Sprachperlen»

Hom­mage an ein fei­nes Essen mit fei­nen Leu­ten, fei­nen Gesprä­chen und beson­ders an die Köchin.

Nr15: Heimat

Nr15 Hei­mat

(stu) Das deut­sche HEI­MAT ist, als Wort und als Begriff, in keine Spra­che direkt zu über­set­zen. Auch in der Umschrei­bung ist das deut­sche HEI­MAT in der gan­zen Tiefe sei­ner Bedeu­tung nicht zu erfas­sen. HEI­MAT ist eine mythi­sche und mys­ti­sche Ikone der deut­schen Spra­che, die wie­derum eine der höchst­dif­fe­ren­zier­ten und wort­schatz­reichs­ten Spra­chen welt­weit ist und der ein ein­ma­li­ger Reich­tum unter­schied­lichs­ter Aus­prä­gun­gen eigen ist. Unter die­sen Dia­lek­ten wurde vor noch gar nicht län­ger Zeit dem Han­no­ver­a­ni­schen Dia­lekt die Ehre zuteil, als Hoch­spra­che aus­er­wählt zu wer­den. Eine Wahl, die nicht nach Eig­nung, son­dern dem Macht­ge­fälle nach ent­schie­den wurde. In kei­nem der deutsch­spra­chi­gen Hei­mat­län­dern – und dies sind etli­che mehr als die Meis­ten wis­sen – spricht man übli­cher­weise die reine Hoch­spra­che. Dies tun allen­falls Per­so­nen, die beson­ders aus­ge­bil­det sind, zum Bei­spiel für den Schau­spie­ler­be­ruf. (mehr …)

 

Bange und erfolgssüchtige Seelen

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr22 Standing Ovation

Nr22 Stan­ding Ova­tion

(stu) Stan­ding Ova­tion, oder wie man zumin­dest frü­her in Deutsch sagte ste­hende Ova­tion oder ste­hen­der Bei­fall, bezeich­net jene Form von Applaus, der auf­grund einer ful­mi­nan­ten Dar­bie­tung, die das Publi­kum buch­stäb­lich aus den Sit­zen reisst, spon­tan und eben ste­hend erfolgt. Ste­hende Ova­tio­nen sind trotz deren ten­den­zi­el­ler Infla­tion bei den Prot­ago­nis­ten jeg­li­cher Art beliebt. Selbst über­trie­bene Kom­pli­mente sind den Adres­sa­ten eben Bal­sam auf die ewig ban­gen und erfolgs­süch­ti­gen See­len. Das ist mensch­lich und eigent­lich ganz gut so. (mehr …)

 

Götterdämmerung

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr30 Klimax

Nr30 Kli­max

(stu) Da ist die­ser schöne Holz­kan­tel aus best­ge­la­ger­tem und für Schnit­ze­rei best­ge­ma­ser­tem Lin­den­holz mit einem Stück ste­hen­ge­las­se­ner Baum­rinde, als Garant für Echt­heit und als sen­ti­men­ta­ler Akzent des Hei­me­li­gen auf Teu­fel komm raus. Denn in der Tat ist die­ser hoch­ge­stellte Kan­tel durch das Arran­ge­ment von adret­ten und der weis­sen Rasse zuge­hö­ri­gen Figür­chen aus dem apo­li­ti­schen Modell­bau­be­darf zur poli­tisch und über­po­li­tisch böse ein­fah­ren­den Instal­la­tion gepimpt. (mehr …)

 

Glück auf!

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr36 Gegensatz 3

Nr36 Gegen­satz 3

(stu) Wie­der ein Werk wie aus der Bou­tique für das geho­bene Wohn-Acces­soire in einer so wohl mas­sier­ten Ästhe­tik, dass nie­mand auf Anhieb auf die Idee käme, sich mit der net­ten Typo­gra­phie auch inhalt­lich ein­zu­las­sen: In die­sem Dop­pel­rah­men-Ensem­ble ist optisch das GLÜCK dem GLEICH har­mo­nisch gleich­ge­wich­tig und gleich­be­rech­tigt zuge­sellt und man ist schnell ver­sucht, die Ver­heis­sung GLÜCK GLEICH zu lesen oder noch bes­ser umge­kehrt das rein hedo­nis­tisch befeh­lende GLEICH GLÜCK. Aber nein! (mehr …)

 

Anleitung zum Glücklichwerden

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr17 Auseinandersetzung

Nr17 Aus­ein­an­der- Set­zung

(stu) Mei­ers haben Zoff und zwar gewal­tig und sie haben dies nicht zum ers­ten Mal, son­dern zum gefühl­ten hun­dert­tau­sends­ten Mal! Sie prü­geln in der Folge gna­den­los und auch oder gerade unter der Gür­tel­li­nie ver­bal auf­ein­an­der ein und am liebs­ten wür­den sie – und sie sind immer näher daran es wirk­lich zu tun – dies auch manu­ell und pedu­ell tun. Sie, die Sie das lesen, ken­nen dies natür­lich nur vom Hören­sa­gen, aber Sie wis­sen schon in etwa, was ich meine. Eine üble Situa­tion, wenn sich Zwei der­art innig strei­ten, statt sich in glei­cher Inten­si­tät zu küs­sen oder so – vor allem oder so. Statt sich gesit­tet mit­ein­an­der AUS­EIN­AN­DER ZU SET­ZEN, machen sie sich mit­ein­an­der gegen­sei­tig das Leben zuse­hends zu Hölle. Was ist zu tun? (mehr …)

 

Revolution

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr11 Rahmenhandlung 4

Nr11 Rah­men­hand­lung 4

(stu) Im gedie­gen mit Matt­glanz ver­edel­ten Gold­rah­men und hin­ter Glas ver­ewigt die tief­gold­gelbe Platte, die mit­tels unten rechts sorg­fäl­tig atta­ckier­tem Dreh­werk­lein mit musi­ka­li­schem Poten­tial zur gol­de­nen Schall­platte erko­ren ist, die trotz­dem nicht wie üblich rund son­dern einem Tafel­bild­chen gemäss brav recht­eckig aus­ge­formt die ein­ge­mes­sene Rah­men­mitte schmückt und somit als eigent­li­cher Bild­ge­gen­stand erkenn­bar das Rah­men­werk zum Thron erkürt und das mit kit­schig­schö­nem Schrift­zug in der Mode der Fünf­zi­ger zusätz­lich zur edlen Tro­phäe im Retro­look gestylt gestal­tet ist. Heintje und Peter Alex­an­der hät­ten ihre pures Ent­zü­cken wohl gleich musi­ka­lisch aus­zu­drü­cken gewusst, aber wir las­sen uns jetzt nicht ein­lul­len und lesen was da so herz­al­ler­liebst in etwa von unten links nach oben rechts hin­ge­schnör­kelt steht. (mehr …)

 

Gnade vor Recht

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr12 Aus dem Rahmen gefallen

Nr12 Aus dem Rah­men gefal­len

(stu) Drei gleich­for­ma­tige und ohne­hin gleich­ar­tige Qua­drate in grau­weis­ser Aus­deh­nung, die nur mit je einem in eine Ecke gescho­be­nen dun­kel-blut­ro­ten klei­nen Vier­eck zu einer unmit­tel­bar kaum merk­li­chen aber eben doch sehr wirk­sa­men Span­nung und ins­ge­samt zum alle drei Gestal­tun­gen ver­ei­nen­den Span­nungs­bo­gen zu füh­ren ver­mö­gen. Zu die­sem bewusst dezen­ten Gestal­tungs­sta­tus addiert sich dann aber noch ein Schrift­zug in einer gestem­pelt erschei­nen­den Block­schrift, die an Con­tai­ner­be­schrif­tung, aber auch fast nost­al­gisch an Mili­tär­ma­ga­zine und Waf­fen­be­schrif­tun­gen, an Pan­zer­schiffe und Unter­see­boote erin­nert. Und in der Tat passt diese letz­tere Asso­zia­tion beson­ders gut, denn die drei Tableaus wir­ken ja wirk­lich wie alte stahl­graue Pan­zer­plat­ten mit einer durch­drü­cken­den, ins Vier­eck gezwun­gene Blut­spur. (mehr …)

 

Freiheit ist Abglanz ihrer Idee

Aus der Serie «Sprachperlen»

Nr14 Freiheit Sicherheit

Nr14 Frei­heit Sicher­heit

(stu) Die­ses hoch­ge­stellte, den gol­de­nen Schnitt oblon­gie­rende For­mat, das im ein­fa­chen drei­glie­de­ri­gen Grau­keil aus der Tiefe des Anthra­zit zum mitt­le­ren Grau zum über­ra­gen­den Hell auf­stei­gend arran­giert ist und von einem schwar­zen Schma­len Rah­men von unten her halb­wegs, näm­lich exakt bis in das ver­mit­telnde Feld des 50%-igen schwarz-weiss rei­chend, umfasst wird, ist rein for­mal und deko­ra­tiv beur­teilt Vie­les, das es nebst den Inhal­ten auch zu wür­di­gen gilt – was lei­der oft ver­ges­sen wird. Zunächst ist es ein fast plas­tisch zu emp­fin­den­des Tableau, das als ein dem ART DECO und dem BAU­HAUS­STIL näher­ste­hen­des Object als Raum­schmuck und sogar als eigent­li­ches wand­glie­dern­des Ele­ment, einer Täfer­lisene gleich, eine aus­ge­prägte archi­tek­to­ni­sche Qua­li­tät besitzt und erfüllt. Über­dies reizt das ebenso als unfer­ti­ges oder in sei­ner Funk­tion rät­sel­hafte Möbel, etwa als unvoll­ende­ter Para­vent oder als ein­füs­si­ger Liege- oder Klapp­stuhl zu sehende Werk, die Lust der Betrach­ten­den zur Mani­pu­la­tion. (mehr …)